Leider gibt es keine Kochbücher aus der Wikingerzeit. Man kann sich also nur an Grabbeiga- ben, religiöse Vorschriften, Gesetze, Lebensbedingungen, sowie Flora und Fauna der damaligen Verhältnisse orientieren, was man für Lebensmittel gegessen haben könnte.
Wir wissen aber durch archäologische Ausgrabungen und Untersuchungen, welche Lebenmittel sich auf dem Tisch befunden haben. Hier ein paar wenige Beispiele aus dem des neunten und zehnten Jahrhunderts, die 1999 von Carolyn Priest-Dorman zusammengestellt wurden:
Jorvík [York], Danelaw [England]
Fleisch - Rotwild, Rindfleisch, Hammelfleisch / Lamm, Ziege, Schweinefleisch
Geflügel - Huhn, Gänse, Ente, goldener Regenpfeifer, grauer Regenpfeifer, Birkhuhn, Holztaube, Kiebitz
Süßwasserfisch - Hecht, Kakerlake, Rudd, Brasse, Barsch
Salzwasserfisch - Hering, Kabeljau, Schellfisch, Flachfisch, ling, Pferdemakrele, roch
Estuarine Fisch - Austern, Herzmuscheln, Muscheln, Blinzeln, Riechen, Aal, Lachs
Milchprodukte - Butter, Milch, Eier
Getreide - Hafer (Avena sativa L.), Weizen, Roggen, Gerste
Hülsenfrüchte - Fava (Vicia faba L.)
Gemüse - Karotten, Pastinaken, Rüben (?), Sellerie, Spinat, Brassicas (Kohl?)
Früchte - Schlehen, Pflaumen, Äpfel, Heidelbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Holunderbeeren (Sambuca nigra)
Nüsse - Haselnüsse, Walnüsse
Kräuter / Gewürze / Medikamente - Dill, Koriander, Hopfen, Henbane, Agrimon
Kochhilfsmittel - Leinsamenöl, Hanfsamenöl, Honig
Getränke - Rheinwein
Birka, Schweden
Zutaten in Brot gefunden - Roggen, Weizen, Dinkel, Hafer, Gerste, Emmer Weizen; Leinsamen; Gekeimte Erbse [? = Erbsenkeimblatt], nicht identifizierte Vicia Hülsenfrucht (Mischung aus Gerste und einem der Weizen scheint am häufigsten gewesen zu sein)
Früchte - Sloe (Prunus spinosa); Weißdorn (Crataegus calycina), Pflaume (Prunus insititia)
Nüsse - Haselnuss
Hedeby, Dänemark
Fleisch - Schweinefleisch, Rindfleisch, Hammelfleisch / Ziege
Geflügel - Hühnchen, Ente, Gans
Fisch - Hering
Früchte - Pflaume (Prunus domestica L. ssp institia CK Schneider), Sloe (Prunus spinosa L.), Kirschen, Holunderbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Erdbeeren
Oseberg, Norwegen
Fleisch - Rindfleisch
Körner - Hafer, Weizen
Frucht - Crabapple
Nüsse - Haselnüsse, Walnüsse
Kräuter - Brunnenkresse, Kreuzkümmel, Senf, Meerrettich
Jarlshof, Shetlandinseln
Fleisch - Rindfleisch, Lamm / Hammelfleisch, Schweinefleisch, evtl. Wild und Wale
Fisch, Saithe, Kabeljau
Dublin, Irland
Fleisch - Schweinefleisch, Rindfleisch, Hammelfleisch / Lamm, Hase
Geflügel - Hühnchen, Wildgans
Salzwasserfisch - Kabeljau, ling Mündungen, Austern, Jakobsmuscheln
Getreide - Weizen, Hafer, Gerste, Roggen, Chenopodium Album, Polygonum spp.
Hülsenfrüchte - Fava (Vicia faba L.), Erbsen
Gemüse - wilde Sellerie, wilde Karotte (Daucus carota), Kohl, Rüben, Radieschen
Früchte - Kirschen, Schlehen, Brombeeren, Weißdorn, Äpfel, Hagebutten, Holunderbeeren, Vogelbeeren, Erdbeeren, Vaccinium myrtillus
Nüsse - Haselnüsse
Kräuter / Gewürze / Medikamente - Mohn, schwarzer Senf, Fenchel
Kochhilfen - Rapsöl (Brassica campestris)
Diesen nicht ganz ernstzunehmenden Text fand sich einmal im Internet; leider ist mir die Quelle nicht mehr bekannt:
Wie bei allen Naturvölkern war auch bei den Wikingern das Beschaffen von Nahrung ganz wichtig. Es gab wenig Ackerland, und es war auch nicht viel, was man da ernten konnte. Die Winter waren lang und hart, Frühling und Sommer, wo die Pflanzen wuchsen, waren sehr kurz. Deshalb konnten die Bauern auf den Feldern nur wenig Nahrung ernten.
Jäger und Fischer mußten außerdem für das Essen sorgen. Fleisch gab es, wenn man einen Ochsen oder einen Hammel zum Schlachten hatte, Fische aus Flüssen und Seen oder vom Meer brachten die Fischer nach Hause, und Jäger setzten sich auf die Spur von Rentieren oder Schneehasen.
Als Gemüse pflanzten die Wikinger Kohl, Erbsen und Bohnen, Knoblauch wuchs wild, ihn mußten sie sammeln. Wenn die Wikinger kein Korn hatten, nahmen sie Erbsenmehl zum Brotbacken. Salz bekamen die Wikinger, indem sie Meerwasser abkochten.
Die Nahrungsmittel wurden mit Salz und Gewürzen konserviert. Pfeffer und andere exotische Gewürze wurden aus Asien importiert. Es gab aber auch heimische Gewürze wie Lauch, Wacholderbeeren, Kümmel und Senf.
Das Lieblingsgemüse der Wikinger war die Zwiebel. Sie schätzten sie nicht nur wegen ihrer Würze, sondern schrieben ihr auch heilende und stärkende Kraft zu. Wo es möglich war, bauten sie auch Erbsen und Kresse an.
Für den Winter bestimmte Nahrungsmittel wurden in Fässern oder Bottichen eingepökelt. Die Wikingerinnen wußten aber, daß ihre Männer nicht den ganzen Winter über nur gesalzenes Essen haben wollten; darum verwendeten sie für einen Teil der Lebensmittel als Pökelflüssigkeit die Molke, die beim Käsen anfällt. Um die winterliche Speisekarte noch abwechslungsreicher zu machen, wurden Fleisch und Fisch teilweise auch gedörrt oder geräuchert.
Zu den Aufgaben der Frauen gehörte auch das Kochen; einen großen Teil ihrer Zeit verbrachten sie am Herdfeuer. Sie kochten in großen Kesseln Eintopfgerichte, Fleisch wurde auch auf heißen Steinen geschmort oder am Spieß geröstet. Sie mahlten das Getreide in steinernen Handmühlen und backten daraus Brot und Zwieback, aus Kuh- und Ziegenmilch machten sie Butter und Käse, aus gemälzter Gerste und Hopfen brauten sie Bier. Met, eine Art Honigwein, wurde gern zu den Mahlzeiten getrunken. Er wurde immer in großen Mengen angeboten.
Den ganzen Tag lang brannte im Haus das Feuer zum Kochen oder Wärmen. Der Rauch konnte durch das Loch im Dach nicht vollständig abziehen, so daß es im Haus immer rauchig war. Reiche Leute bauten sich daher in einem Seitenraum einen Backofen, der durch heiße Steine beheizt wurde. Mit der Dunkelheit hörte die Arbeit auf dem Feld oder in der Werkstatt auf. Die Familie versammelte sich für die Hauptmahlzeit des Tages um das offene Feuer.
Arme und reiche Leute aßen unterschiedliche Speisen und benutzten unterschiedliches Geschirr. Die armen Leute tranken z. B. Bier (aus Gerstenmalz und Hopfen) aus einfachen Holzbechern, die Reichen aus Trinkhörnern mit verziertem Metallrand. Sie konnten es sich auch leisten, Wein in Fässern aus dem Rheinland einzuführen.
Gewöhnlich aßen die Wikinger zweimal am Tag: Das Mittagessen nach der ersten Arbeit auf den Feldern, das Nachtessen nach Sonnenuntergang.
Beim Essen stand ein Bocktisch mitten im Raum, umgeben von Holzbänken. Hier saß die ganze Familie, und nachts schlief man darauf. Jeder hatte zum Essen sein rechteckiges Holzbrett oder seine Eßschale aus Speckstein. Messer und Löffel trug der Wikinger immer am Gürtel bei sich.
Zum Trinken hatten die Wikinger Trinkhörner und Tassen. Die Hörner konnte man nicht auf den Tisch stellen, denn sie hatten keinen flachen Boden. Man mußte sie rund um den Tisch von Hand zu Hand weitergeben, bis sie leer waren; dann konnte man sie hinlegen. Ein Mann, der ein Trinkhorn in einem Zug leeren konnte, wurde von allen bewundert. Das Getränk war gewöhnlich Met, ein süßes Bier aus vergorenem Honig.“
... weiter geht es im 2. Teil :-)